Erfreuliche Neuigkeiten, aber nicht über Tetra Pak

EU Plastic Strategy

10 Produktgruppen, die zusammen
70% des Plastikmülls im Meer ausmachen.

Seitdem das Plastikproblem vor ein paar Monate medial sehr wirksam geworden ist, ist es auch unter Unternehmen ein Trend geworden, ihre Schritte zum Plastikverzicht groß anzukündigen. Vergangenen Mittwoch waren damit Rewe und Lidl an: bei ihnen wird ab 2019 kein Plastikstrohhalm mehr verkauft, das gilt auch für Tochterunternehmen wie Netto oder Toom Baumarkt. Nachhaltigere Alternativen, z. B. aus Papier sollen statt des Plastikhalmes zum Verkauf angeboten werden, sowie nach und nach weitere Einmalplastikartikel wie Besteck oder Geschirr aus dem Angebot genommen werden.

In England gibt es seit Juni den weltersten Zusammenschluss von 40 der größten Unternehmen, der sich explizit der Abschaffung von Einmalplastikartikeln aus den Unternehmen richtet, und in den USA hat die erste Fast Food Kette Plastikstrohhalme aus ihren 1.000 Filialen bundesweit abgeschafft. All das sind erfreuliche Auswirkungen des wachsenden Bewusstseins über Plastikmüll!

In der EU greifen die Firmen damit der geplanten Plastics Strategy der EU-Kommission vor. Die sieht vor, die zehn meistgebrauchten Eingwegplastikartikel sowie Fischernetze zu verbieten – das wäre ein Verbot, dass 70% des Plastikmülls im Meer angehen würde. Diese zehn Artikel stellen demnach 70% des Plastikmülls.. Dinge wie: Wattestäbchen, Eingweggeschirr- und besteck, Plastiktüten, Plastikstrohhalme, Einwegbehälter für Essen, Einwegtrinkbecher, Luftballons, Verpackungen von Süß- und Salzigkeiten, Hygieneartikel wie Feuchttücher, Tampons, Binden, Zigarettenstummel und Fischernetze.

Tetra Pak kündigte zunächst an, bis Ende des Jahres eine Alternative aus Papier für die weltweit beliebten Trinkkartons zu entwickeln.. Allerdings sei das nur eine Reaktion auf „den wachsenden Trend einer negativen öffentlichen Meinung über Plastikstrohhalme und das Bestreben von Regierungen auf der ganzen Welt, ihre Nutzung zu reduzieren“ gewesen. Sie werde sich weiterhin bei Politikern, Regulatoren und Umweltgruppen für den Plastikstrohhalm einsetzen. Ihr Argument? Der Papierstrohhalm sei für die Umwelt noch schädlicher als die Plastikvariante – außerdem ist der Plastikstrohhalm so praktisch.

EU Plastic Strategy

So plant die EU-Kommission das Plastikmüllproblem anzugehen

Aha. Schaut man sich aber an, zu wem Tetra Pak gehört, treten andere Argumente deutlicher in den Vordergrund. Zusammen mit Delaval und Sidel gehört Tetra Pak zu einer Gruppe, die den weltweiten Markt der Nahrungs-, Getränke-, Reinigungs- und PflegeproduktVERPACKUNGEN aus Kunststoffen anführt. Also genau die Produktgruppe, die – nicht nur – von der EU als Hauptquelle des weltweiten Plastikmülls identifiziert wurde. Antrieb für die Ablehnung eines Plastikstrohhalmverbots ist für Tetra Pak und ihre Schwesterfirmen: Befürchtete Einnahmeverluste.

Wir lehnen solche Begründungen ab!

Die Zeiten, in denen Wirtschaftsunternehmen ausschließlich in Eigeninteresse (Profit) handeln durften, ist vorbei. Vorbei sind die Zeiten, in denen Gewinne für Anteilseigner an Umwelt-, Natur-, und Tierschutz und an den Wünschen der Menschen vorbei die Hauptrolle einnehmen durften. Vorbei sind auch die Zeiten, in denen die Verantwortung für den Müll ausschließlich an den Endverbraucher, also an uns, abgewälzt wurde, vorbei sind die Zeiten, in denen jeder Einzelne die Verantwortung an jeden anderen abschieben konnte, vorbei ist jede Form von Ab- und Weiterweisung von Verantwortung. Verantwortung reist nicht mehr herum, sondern ist angekommen: Bei der Politik, der Wirtschaft, der Gesellschaft, bei uns allen, bei jedem einzelnen.

1 Kommentar zu „Erfreuliche Neuigkeiten, aber nicht über Tetra Pak“

  1. Eine tolle Alternative zu Binden und Tampons ist die Menstruationstasse. Eine klasse Erfindung, die grad sehr an Bekanntheit zunimmt. Auch in Entwicklungsländern werden sie verteilt, was ich persönlich mega gut finde. In manchen Ländern werden Frauen tatsächlich während ihrer Periode von der Gesellschaft verstoßen, weil es keine vernünftige Möglichkeit zur Versorgung gibt.

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