Der gar nicht mal so Supermarkt

Wenn man sich im Supermarkt beim Obst und Gemüse umschaut, sieht man kaum noch Produkte aus der Region oder aus Deutschland. Einige wenige Angebote gibt es aus EU-Mitgliedsstaaten, das meiste kommt aus Nicht-EU-Landwirtschaft. Auch wenn man bei Trockenwaren genauer hinschaut, stellt man fest, dass viel bis alles des Inhalts von weit, weit weg kommt. Globalisiertem, freiem Handel sei Dank! Dieser soll ja für den Konsumenten ermöglichen,sich ein großes Angebot auch von anderswo gewachsenen und exotischen Nahrungsmitteln leisten zu können.

In diesem Sinne wurde auch erst vor kurzem das nächste große Freihandelsabkommen zwischen der EU und Japan geschlossen. Und in diesem Sinne gibt es Freihandelsabkommen mit so ziemlich jedem Punkt dieser Erde. Aber genug der Schönwischerei, das besorgen die Supermarktketten schon selbst recht erfolgreich. So erfolgreich, dass in Deutschland ganze 4 Supermärkte 85% des Markts bestimmen, in der EU sind es insgesamt 10 und weltweit sind es 16 Supermarktketten, die Angebot und Preis bestimmen. Nochmal, für mehr Dramatik, in Buchstaben mit Platz dazwischen: 

            I n  g a n z  D e u t s c h l a n d  s i n d  d a s  V-I-E-R:

Rewe, Edeka, Schwarz-Gruppe mit Lidl und Kaufland, Aldi. Zu diesen großen vier gehören auch Penny, Netto, Bonus usw.

Hier stellen wir nun einige Punkte klar, die nicht in das Bewusstsein unserer Gesellschaft dringen sollen. Zum Glück hat sich das Weltwirtschaftsforum dieser Thematik angenommen, und Oxfam damit beauftragt, diese 16 größten Supermarktketten auf verschiedene Kriterien zu überprüfen. Dabei in jahrelangen Forschungen festgestellt:

Die Menschen am unteren Ende der Nahrungslieferketten arbeiten unter unmenschlichen Bedingungen, die in Europa inzwischen NIEMAND mehr zulassen würde.

Die Menschen, die unsere Nahrungsmittel pflanzen, ernten, schälen, fangen usw. müssen selber HUNGERN!

Das Land und die Gewässer, von denen unsere Nahrungsmittel kommen gehörten einst diesen Menschen.

Jetzt dürfen sie es selber NICHT mehr dazu nutzen, sich und ihre Familien zu versorgen.

Unsere Nahrungsmittel werden zu Weiterverarbeitungs- und Verpackungszwecken rund um die Welt transportiert – mit teilweise über 5 Zwischenstationen! – bevor es bei uns auf dem Teller landet.

Der Preis, den wir für Nahrungsmittel zahlen, setzt sich zu 80% aus Gewinnen für die Zwischenhändler zusammen. Die, die die eigentliche Arbeit tun, erhalten davon den Bruchteil eines Prozents – und können sich damit kein menschenwürdiges Leben leisten.

Oxfam hat berechnet, dass mit einer Preissteigerung in unseren Supermärkten von 0,4% schon sichergestellt werden kann, dass die ärmsten der Armen, die die ganze westliche Welt ernähren, nur sich selbst nicht, endlich wieder sich selbst ernähren könnten.

Außerdem hat Oxfam dargestellt, dass diese Preissteigerung entlang ihrer Lieferketten aufgefangen werden könnte, so dass wir und jede Zwischenstation unmerklich, also 0,00000x Euro, mehr zahlen würde – dafür aber Millionen Menschen sich und ihre Familien ernähren könnten. Das machen die Supermarktketten aber nicht. Das ist ihnen nämlich egal. Die 8 größten Supermarktketten, die ihre Bücher öffentlich zugänglich gemacht haben, haben in 2016 22 Milliarden Dollar eingenommen, von denen 15 Milliarden Dollar an die Anteilseigner ausgezahlt wurden.

supermarkt, plastikfrei, umweltbastion

„Meet Budi, a shrimp-processing worker in Indonesia. She has to peel up to 950 shrimps an hour to receive her minimum wage. She avoids going to the toilet and stands for nine hours at a time. It would take her more than 5,000 years to make the average annual salary of a top supermarket CEO in the US.

Other women working in shrimp-processing plants told us about having to take mandatory pregnancy testing. They told us about leaving their families for so long that their children forget their faces. They talk about supervisors berating and humiliating them.“

Winnie Byanyima, Oxfam

Bei uns können Ĺebensmittel so günstig angeboten werden, weil Supermarktketten global ihre Filialen beliefern und dank gigantischer Abnahmemengen gigantische Rabatte verlangen können. Dazu kommt, dass die am unteren Ende der Kette nur noch einen, manchmal zwei potenzielle Abnehmer haben – und deren Preise und unmenschlichen Konditionen akzeptieren müssen. Dank des freien Handels überschwemmen die selben Händler einheimische Märkte mit Nahrungsmitteln, die sie – dank Rabatten und vielen weiteren Arschlochmethoden – günstiger anbieten können, als Nahrungsmittel, die vor der eigenen Haustür angebaut wurden. Diese günstigen Preise sind aber immer noch zu teuer für die Einheimischen.

Oxfam, das Weltwirtschaftsforum, wir von der Umweltbastion und jeder sowohl human als auch rational denkende Mensch hat in Folge Supermarktketten als DIE Stellen ausgemacht, die

  1. Welthunger und bitterste Armut ausgelöst haben
  2. Welthunger und bitterste Armut auslöschen können

Und so zeigt sich eine der Bedeutungen des Slogans „Global denken, lokal handeln“

    • lokal einkaufen: nicht beim lokalen Supermarkt, sondern bei lokalen Produzenten!
    • Supermärkte an ihre Macht und Aufgabe erinnern
    • global etwas bewegen




Oxfams Supermarkt-Check für Deutschland sieht dann als Zeugnis richtig, richtig übel aus:

1 Kommentar zu „Der gar nicht mal so Supermarkt“

  1. Das schlimme in unserer heutigen Zeit ist, diese Infos kennen die meisten, sie sind frei verfügbar und trotzdem ändert sich nix…=(

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